Das Währungspaar EUR/USD bleibt auch 2025 das meistgehandelte auf dem globalen Devisenmarkt. Nach einem volatilen ersten Quartal analysieren wir die technischen Indikatoren und fundamentalen Faktoren, die die Kursentwicklung im zweiten Quartal prägen werden.
Aktueller Marktüberblick
Der Euro notiert zum Jahresbeginn 2025 bei etwa 1,0850 US-Dollar und hat sich damit im oberen Bereich der Handelsspanne der vergangenen Monate etabliert. Die Entwicklung wird maßgeblich von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve bestimmt.
Während die EZB signalisiert hat, die Zinsen vorerst auf dem aktuellen Niveau zu belassen, deuten Äußerungen der Fed auf mögliche Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte hin. Diese geldpolitische Divergenz könnte dem Euro Auftrieb verleihen.
Technische Analyse: Schlüsselniveaus
Aus technischer Sicht bewegt sich EUR/USD derzeit in einem aufsteigenden Trendkanal, der im Oktober 2024 begonnen hat. Die wichtigsten Unterstützungszonen liegen bei 1,0700 und 1,0550, während Widerstandsniveaus bei 1,0950 und 1,1100 zu finden sind.
Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei 1,0720 und fungiert als dynamische Unterstützung. Sollte dieser Level nachhaltig unterschritten werden, würde dies ein bearishes Signal darstellen und weiteres Abwärtspotenzial bis 1,0550 eröffnen.
Relative Strength Index und Momentum
Der RSI-Indikator notiert im neutralen Bereich zwischen 45 und 55 Punkten, was auf ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen Bullen und Bären hindeutet. Es gibt derzeit keine Anzeichen für überkaufte oder überverkaufte Bedingungen.
Der MACD-Indikator zeigt eine leicht positive Divergenz, wobei die Signal-Linie kürzlich die Null-Linie nach oben durchbrochen hat. Dies könnte auf eine bevorstehende bullische Phase hindeuten, sofern die fundamentalen Daten dies unterstützen.
Fundamentale Einflussfaktoren
Neben den technischen Faktoren spielen fundamentale Entwicklungen eine entscheidende Rolle für die Kursentwicklung. Die Wirtschaftsdaten der Eurozone zeigen eine zaghafte Erholung, wobei insbesondere Deutschland als größte Volkswirtschaft noch mit strukturellen Herausforderungen kämpft.
In den USA zeigt sich die Wirtschaft weiterhin robust, obwohl erste Anzeichen einer Abschwächung erkennbar sind. Die Inflationsrate ist deutlich gesunken, was der Federal Reserve Spielraum für Zinssenkungen gibt und tendenziell negativ für den US-Dollar ist.
Prognose für Q2 2025
Für das zweite Quartal 2025 erwarten wir eine Fortsetzung der seitwärts-aufwärts gerichteten Bewegung im EUR/USD. Unser Basisszenario sieht eine Handelsspanne zwischen 1,0700 und 1,1100 vor, wobei ein Ausbruch über 1,1100 weiteres Potenzial bis 1,1300 eröffnen würde.
Das bullische Szenario mit einem Kursziel von 1,1200 bis 1,1300 würde sich realisieren, wenn die EZB ihre straffe Geldpolitik beibehält, während die Fed gleichzeitig mit Zinssenkungen beginnt. Positive Wirtschaftsdaten aus der Eurozone würden diesen Trend zusätzlich unterstützen.
Risikofaktoren und bearishes Szenario
Hauptrisiko für den Euro bleibt eine Eskalation geopolitischer Spannungen oder eine unerwartet starke Rezession in der Eurozone. In diesem Fall könnte EUR/USD die Unterstützung bei 1,0550 testen und möglicherweise bis 1,0400 fallen.
Auch eine überraschend hawkische Wendung der Fed, etwa aufgrund wieder steigender Inflation, würde den Dollar stärken und den Euro unter Druck setzen. Trader sollten daher die monatlichen Inflationsdaten und Fed-Sitzungen genau im Auge behalten.
Handelsstrategien für Q2
Für kurzfristige Trader empfiehlt sich eine Range-Trading-Strategie zwischen 1,0700 und 1,1100. Long-Positionen bieten sich im Bereich der Unterstützung an, während Gewinne in der Nähe des Widerstands mitgenommen werden sollten.
Langfristige Anleger können bei Rücksetzern in den Bereich 1,0750-1,0800 Positionen aufbauen, mit einem mittel- bis langfristigen Kursziel von 1,1200-1,1300. Ein Stop-Loss sollte unterhalb von 1,0650 platziert werden, um das Risiko zu begrenzen.
Intermarket-Analyse
Die Korrelation zwischen EUR/USD und anderen Märkten sollte nicht außer Acht gelassen werden. Typischerweise besteht eine negative Korrelation zum US-Dollar-Index und eine positive zum Goldpreis. Auch die Entwicklung der Aktienmärkte kann Hinweise auf die Risikostimmung geben.
Steigende europäische Aktienmärkte und fallende US-Anleiherenditen würden tendenziell den Euro unterstützen, während das umgekehrte Szenario den Dollar begünstigen würde.
Fazit und Handelsempfehlung
Die technische und fundamentale Analyse deutet für Q2 2025 auf eine leicht bullische Tendenz im EUR/USD hin. Die Handelsspanne dürfte zwischen 1,0700 und 1,1100 liegen, mit Potenzial für einen Ausbruch nach oben.
Trader sollten flexibel bleiben und ihre Positionen an die sich entwickelnde Marktlage anpassen. Besonders wichtig wird die Beobachtung der Zentralbankpolitik und der makroökonomischen Daten sein. Mit einem disziplinierten Risikomanagement und realistischen Gewinnzielen lassen sich in diesem Umfeld attraktive Trading-Gelegenheiten nutzen.